31
Mai
16

Über inspirierende Menschen: Peggy Guggenheim.

Was macht einen Menschen inspirierend? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Eine heißt ganz einfach: Peggy.

Seit Jahren lese ich alles, was mir über die exzentrische Kunstsammlerin Peggy Guggenheim in die Finger kommt – Biografien, ihre Autobiografie „Ich habe alles gelebt“ und jede Menge Bildbände stapeln sich schon auf dem Coffee Table. Seit Kurzem gibt es den Dokumentarfilm „Ein Leben für die Kunst“ mit bisher unentdeckten Originaltönen. Bereits dreimal hab ich ihn angeschaut – und würde es jederzeit wieder tun, denn:

Peggy ist immer eine Reise wert – im Kino und in ihrem Palast am Canal Grande. Wer in Venedig ist, sollte sofort in die Peggy Guggenheim Collection gondeln. Dort ist Peggys phantastische Sammlung zeitgenössischer Kunst zu sehen. Ihre einzigartig kreative Energie ist dort bis heute spürbar.

Vielleicht erinnere ich mich gerade deshalb noch so glasklar an einen Guggenheim-Empfang während der Biennale 2005: Ein lauer Sommerabend, spielerisch leicht eingefädelte Begegnungen, ein Mit- und Durcheinander von allerlei Sprachen. Ich erinnere mich an das rosa Licht auf der Dachterrasse – und daran, was es zu essen gab: frittierte Salbeiblätter, von Kellern auf simplen, papierbedeckten Messingtabletts gereicht. Kühlen Weißwein, Wasser, basta. Alles so simpel und perfekt! Und typisch Peggy, die opulente Speisenfolgen ermüdend und raffinierte Gästelisten umso belebender fand. (genau wie ich!)

Venedig war Peggys Sehnsuchtsort – schon immer. Mich beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit und Beharrlichkeit sie nach dem Motto „Fear was not in my nature“ die Verwirklichung ihres Lebenstraumes in die Hand nahm und zur richtigen Zeit die richtige Immobilie am richtigen Ort fand: „Every hour of the day is a miracle of light. In summer with daybreak the rising sun produces such a tender magic on the water that it nearly breaks one’s heart.“

Als Sammlerin entdeckte und förderte sie die aufregendsten Künstler ihrer Zeit von Max Ernst bis Jackson Pollock – und zwar als Autodidaktin und ganz nach ihren eigenen Regeln: „I took advice from none but the best. I listened, how I listened! That’s how I finally became my own expert.“

Die Künstler waren Männer, in die sich auch zuverlässig verliebte und bei denen sie genau so lange blieb, wie sich Kunst und Liebe gegenseitig begünstigten. Zumidest entnehme ich das aus Sätzen wie „Peace was one thing that Max needed in order to paint, and love was the one thing I needed in order to live. As neither of us gave the other of what he most desired, our union was doomed to failure.“

Natürlich machte sie aus ihren Amouren keinen Hehl, vielmehr formte sie damit ihr Image als selbstbestimmte, eigensinnige Frau, die  faszinierende Kunst sammelte – und die Künstler gleich mit dazu. O-Ton Peggy, als ihr ein neues Wunschexemplar in ihre Galerie herinspazierte und seine Bilder zeigte: „One day a marvelous man in a highliy elaborated tweed coat walked into the gallery. He looked a little like Groucho Marx. He was animated as a jazz-band leader, which he turned out to be. He showed us his gouaches, which were als musical as Kandinsky’s, as delicate as Klee’s, and as gay als Miro’s.“

Was mich als Werberin an Peggy fasziniert? Scheinbar ohne Vorbilder hat sie schon mit ihrer ersten Galerie „Guggenheim Jeune“ in London ihre eigenen USP’s gepflegt: Als Erste präsentierte sie Malerei mitten im Raum statt an den Wänden. Kunst an staffeleiartigen Stangen zu hängen mag man schön finden oder nicht – einzigartig war es in jedem Fall. Und die Karten zu ihren zahlreichen Vernissagen ließ sie so vielfältig und hochwertig gestalten, dass auch ich bestimmt jeder Einladung gefolgt wäre.

Als Modemacherin gefällt mir Peggy übrigens auch sehr gut. Aus großbürgerlichen Verhältnissen stammend, kannte sie die Regeln des eleganten Stils – und brach sie mit zunehmendem Alter immer radikaler. Je nach Tagesform und Laune betonte sie mit gut geschnittenen Kostümen ihre schlanke Figur und mit filigranen Sandalen die grazilen Fesseln. Meistens aber ging sie in weißen Pelzmänteln, wild gemusterten Kleidern, Statement-Schmuck, bunten Strickstrumpfhosen und der ikonenhaften Schmetterlingsbrille aus. Und blieb dabei immer 100% Peggy: mutig, lebensfreudig, charaktervoll.

So müssen inspirierende Menschen sein.